Vielen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar
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Kaum ist Liliane aus dem ersten Erholungsurlaub nach ihrer schmerzhaften Scheidung zurückgekehrt, erfährt sie, dass ihr 89-jähriger Vater Klaus heimlich und allein nach Schottland gereist und mitten in der Wildnis der Highlands mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen ist.
Natürlich reist sie umgehend zu ihrem Vater. Anstatt mit seiner Tochter wieder nach Hause zu reisen, zeigt der Vater sich stur.
Er will unbedingt jene Wanderroute bis zur nördlichsten Spitze Schottlands wiederholen, die er einst als junger Architekturstudent bezwungen hat. Liliane begleitet ihren Vater auf dieser Tour und es entwickelt sich rasant zu einer emotionalen Konfrontation mit der eigenen Familiengeschichte.
In Alexa Hennig von Langes neuem Roman „Alte Pfade“ geht es um die ambivalente Beziehung zwischen einem alternden Vater und seiner erwachsenen Tochter.
Alexa Hennig von Lange hat für die Geschichte Charaktere mit psychologischer Tiefe lebendig werden lassen.
Klaus verkörpert die Generation der Kriegskinder. Er ist aufgewachsen im vom Krieg gezeichneten Potsdam, geprägt von Flucht und Disziplin. Er verachtet Schwäche und weigert sich bis zum Schluss, die Kontrolle abzugeben. Erst als sein Körper auf den harten Pfaden versagt, bröckelt die raue Fassade.
Liliane hat zeitlebens gelernt, zu funktionieren und Herausforderungen anzunehmen. Eine Eigenschaft, die sie der emotionalen Kälte ihres Vaters verdankt. Die Art ihres Vaters hat ihre Beziehung zu Männern geprägt.
Auch die Nebenfiguren wie Lianes Ex-Mann Frederick oder ihre egozentrische Schwester bereichern die Geschichte.
Alexa Hennig von Lange erzählt die Geschichte in einem ruhigen Ton. Durch Rückblenden verdeutlicht sie ihren Leser*innen die Vater-Tochter-Beziehung.
Der Schreibstil von Alexa Hennig von Lange ist flüssig und gut verständlich. Die Atmosphäre in der Geschichte ist deutlich kühl.
Die alten Pfade durch die Wildnis der Highlands werden anschaulich beschrieben.
Darin ist Liliane in Sommerschuhen unterwegs. Man spürt ihre Angespanntheit und ihre Erleichterung, wenn eine Hütte in Sicht kommt.
„Alte Pfade“ ist ein berührender und melancholischer Generationenroman, den ich gerne gelesen habe.
Rezension erstellt am 24. Oktober 2026
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